REVIEW: Yoga Retreat in LYKIA

Ein Erlebnisbericht – Ein Retreat der Superlative

Wir hatten Vinyasa Flow geplant, aber einen Mix aus Hot - & Lach-Yoga erhalten. Zwischen gigantischen Bergen, die zum Anfassen nah schienen & gleichzeitig den Blick auf die Bucht von Adrasan hergaben, mußte der liebe Gott sich etwas ganz Besonderes gedacht haben, als er diesen Platz schuf. Eingebettet in einen Garten Eden, der den lieben langen Tag von Gärtnern des Lykia liebevoll gehegt & gepflegt wurde, schaukelten wir in den Hängematten zwischen prachtvollen Hibiskusblüten, Palmen & umherlaufenden Huhnfamilien. Wo auch immer wir hinschauten, schenkte uns dieser Platz Esprit & Leben durch die berauschendsten Farben, Düfte & faszinierendes Licht.  

 „Land des Lichtes“ wurde auch  Lykien genannt – von Homer. Bei dem  glitzernden & funkelndem Anblick während des Sonnenaufgang auf die 1500 Meter lange Bucht von Adrasan wird einem sofort klar, warum. Und genau in das Land des Lichtes schickte uns Sonja Miko, Initiatorin von Indigo Reisen, mit der wir erstmalig zusammen arbeiteten

Unsere Reise startet in Antalya, wo wir von einem kleinen Reisebus abgeholt werden, welcher uns zum ca 2 Std nördlich, an Kemer vorbei, gelegenem  Lykia fährt. Es ist mittlerweile 23h und ich bin höchst erstaunt, als unsere nur 15 köpfige Truppe vor Ort von einem 5- köpfigen Team in Empfang  genommen wird, die Koffer aufs Zimmer gebracht werden und wir sogar noch ein leichtes Abendbuffet erhalten. Bei einer nächtlichen Außentemperatur von ca 24 Grad genießen wir, obwohl von der Reise erschöpft, die liebevoll hergerichteten Speisen mit Blick auf einen blau beleuchteten Pool unter Sternenhimmel. Eine chillige, romantische Stimmung stellt sich ein.

Mit Sehnsucht nach einem Bett verschwinde ich in die „ No 23“ – natürlich bringt mich Sue, ansonsten hätte ich mich sicherlich verlaufen. Die Zimmer sind großzügig & die vielen kleinen Details darin verraten, dass sich hier Menschen viele sinnige Gedanken gemacht haben müssen. Von den Ablagen im Bad begonnen, genügend Kleiderbügeln!!! – bis hin zur Klimaanlage, die auf alle erdenklichen Modi einstellbar ist UND PERFEKT FUNKTIONIERT -  an alles war gedacht.

Meine Bedenken, die Vorstellungsrunde am nächsten Tag zu verschlafen, sind völlig unbegründet, denn eines unserer vielen Rituale, die uns in der kommenden Woche begegnen sollen, ist der Weckruf des Hahnes. Liebe Menschen da draußen, seit Lykia bin ich der Meinung, Wecker werden völlig überbewertet. So tappse ich im Bademantel nach draußen, um zu schauen, wo ich denn überhaupt gelandet bin. Zuerst fällt mir dieses Meer an Hibiskusblüten auf,  dann mehrere Loungebetten eingebettet in eine kleine Palmenoase, in der unzähligen Hängematten zum faulenzen einladen.  Neugierig schleiche ich Richtung Pool, wo auf einer Plattform kerzengerade ein männliches Wesen, welches sich mir später als Lars vorstellt, meditiert. Der Blick, der sich mir dann eröffnet, stockt mir den Atem. Unser Platz befindet sich zwischen zwei Giganten von Bergen, deren Nähe mir gleichermaßen Ehrfurcht & Gänsehaut beschert. WOW – dieser Anblick ist so wundervoll & beeindruckend – ein Kraftplatz halt. Esther pflegte später zu sagen: „Diese Berge sind irgendwie…also irgendwie… welches Wort trifft es denn jetzt?…irgendwie PRÄSENT“ und zieht ihren Mund zu einem breiten Grinsen (der in diesen Tagen völlig rot-los bleibt – Das ist sehr außergewöhnlich, sind kirschrote Lippen doch sonst Esther´s Markenzeichen J)

Außer zwei Mitarbeitern, die schon den Pool reinigen & etwas Geklapper, das aus der Küche kommt, ist es still. Ich ergötze mich an dieser Atmosphäre, in der der Tag sich erst entfalten will.  Im Restaurant steht schon für Alle Ingwerwasser & Obst bereit (24 Std Service).

Also zurück zum Hahn - eigentlich waren es ja 5 Hähne – zumindest gefühlt: Diese(r) motiviere(n), oder vielleicht drangsaliere(n)) selbst die Spätaufsteher unter uns zum Aufstehen. Also pilgert unsere Yogatruppe gegen 08:00h Richtung Yoga Außenplattform, auf der bis zu 26 Teilnehmer Platz finden. Mit dem tollen Holzfußboden, überdacht aber dennoch offen, dem angrenzenden Granatapfelhain & dem Blöcke-Gurte- Kissen & Decken Alarm bietet sie die perfekte Kulisse für unser Retreat.

Unsere Truppe bestehend aus 12 Shaktis zwischen 23 – und 56 Jahren vereint die unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Ob ich die Musikanlage irgendwann benötigen würde ist mir derzeit nicht klar, da während der Vorstellungsrunde ein Grillenkonzert startet, welches ich in dieser Lautstärke zuvor noch nicht gehört hatte.

Damit ich den individuellen Wünschen der Teilnehmer (hoffentlich) gerecht werden würde,  lasse ich mir von ihnen, diese, inklusive körperlicher „Zipperlein“ auf Karteikarten schreiben & sammel sie ein. Die darauf zu lesenden Themen schwanken zwischen „einfach nur genießen“, „ Nackenproblemen nach Autounfall bewältigen“, „Schlafstörungen in den Griff bekommen“, „an Asanas arbeiten“, „Einblick in die Yogaphilosophie erhalten“,, brauche eine neue Yoga Initialzündung“ und einigem mehr.

Nach erster vollbrachter Yogaeinheit von 08:00h – 10:00h wartet ein traumhaftes Frühstücksbuffet auf uns. Es „kommen nur gute Sachen in uns hinein“. Der selbstgepresste O-Saft ist so süß, dass man meint, die Sonne pur zu trinken. Selten habe ich die Melonen röter & saftiger erlebt. Desweiteren wählen wir zwischen Obstsalat, Müsli, Marmeladen, diversen Quark-und Joghurtspeisen, verschiedenen türkischen Käsesorten, Eiern aller Art, Oliven, Gurken, Tomaten, selbstgebackenem Brot…köstlich.

Vielfältig waren die Teesorten – ich habe in dieser Woche nicht eine Tasse Kaffee getrunken. Das hauseigene Quellwasser ist so lecker, dass man sich an jeden (Wasser)Hahn hängen kann (und auch muss bei 37-40 Grad).

Nach der Stärkung werden wir zum „Steinkreis“ eingeladen, wo eine Vorstellungsrunde stattfindet. Sämtliche Mitarbeiter des Hauses werden einbezogen, auch die, die nicht so häufig anzutreffen sind, da sie „hinter den Kulissen“ für uns wirbeln. Unsere Hauptansprechpartner sind Nina, Sue & Sophia. Nina schwärmt, sie selbst sei vor 3 Jahren wie wir, als Gast an diesen Ausnahmeplatz gekommen…und dass sie ihr Herz hier verloren hätte (an Ismael, dem Entdecker dieses göttlichen Platzes) und nun hier wohnen würden. So ähnlich ist die Geschichte von Sue auch (smile).

„Oh nein“ denke ich „bitte lass diesen Kelch an mir vorüberziehen“. War ich doch jüngst selber durch „derartige Geschichten“ mein ursprünglich entdecktes Seminarhaus (ach wie schade) und den dazugehörigen Platzhirsch (Gott sei Dank) quitt, da es für mich in dieser Tragik-Komödie kein Happy End geben sollte (worüber ich heute sehr froh bin).

Das Lykia Seminarhaus liegt ca 2 km vom Meer entfernt. Es führt zwar ein ca 20 min Fußmarschweg dorthin, doch als weiteren Service bieten die Inhaber einen kostenlosen Shuttle Service. 3 mal täglich befördert ein Pic up die Gäste des Hauses an die Bucht von Adrasan, wo man zwischen Sand- und Kieselstrand wählen kann. Und auch wieder zurück. Die Pic- up Fahrten sind ein Erlebnis & wenn man bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht die anderen Gäste kennen gelernt hat, dann mit Sicherheit an dieser Stelle. Denn wie die Bilder erkennen lassen ist „fremdeln“ unmöglich. 

Am Beach angekommen erleben wir erneut einen „WOW- welch ein Service Effekt“. So gibt es dort bei zwei Anbietern Sonnenschirme und Liegen KOSTENFREI  für Lykia Gäste. Und  nicht nur das: Der eine Platz wird von Elisabeth unterhalten (noch eine Deutsche, die die Magie dieses Platzes nicht loslässt). Sie backt nicht nur sensationellen Kuchen, sie serviert ihn sogar bis an den Beach (obwohl ihr kleines Ladenlokal auf der anderen Straßenseite zu finden ist). 

Also – wer sich hier nicht wohlfühlt, dem kann man wahrscheinlich eh nicht mehr helfen. Somit lassen wir, 4 Shaktis uns hier nieder & fallen in einen Chillmodus sondergleichen. Wir können unser Glück kaum fassen & begreifen auch nicht, weshalb dieser wunderschöne Platz zur High Season Zeit nicht touristisch „versaut“ ist. (Damit es auch so bleibt, erzählt bitte niemandem von unserer Liebeserklärung an die lykische Küste). Wir rekeln uns auf den Liegen, werden von „Lisa“ verwöhnt & „quälen“ uns zwischendurch ins Wasser, dessen angenehme Temperatur uns verleitet, direkt drin sitzen zu bleiben. WOW – der Sand ist so heiß, dass man es nur mit Schlappen bis zum Wasser schafft ohne Verbrennungen 2. Grades zu erleiden. (Aber wir sitzen ja eh schon in erster Reihe). An dieser Stelle empfehle ich allen Interessierten, die zur gleichen Zeit die Türkei aufsuchen, Sonnenschutzfaktor 50!!! Auch wenn du der südländische Typ, oder vorgebräunt bist – ja auch selbst UNTER dem Sonnenschirm. 

Pünktlich & zuverlässig holt uns der Shuttle wieder ab, so dass wir gegen 17:45h in die zweite Yoga Session gleiten. Wieder auf der Granatapfelhain- Naturwand- Plattform versammelt, nehmen wir während der Praxis die sich wandelnde Naturstimmung wahr. Der Tag neigt sich. Dies sind so Augenblicke im Leben, die mit Worten nicht mehr zu beschreiben sind. Wer etwas Ähnliches schon einmal erlebt hat, weiß, was ich auszudrücken versuche. Es ist diese Kombi aus Kopf leer machen da Urlaub, an einem wundervollen Ort zu sein, durch Yoga in die Tiefe zu tauchen, sich selbst Platz machen, unter Gleichgesinnten zu sein & das alles in naher Berührung zur Natur. Man spürt, dass die Gruppe schon jetzt „zusammen rutscht“. Es ist friedlich & es stellt sich tiefe Dankbarkeit in uns ein.

Wir lassen den Tag bei einem köstlichen Abendmahl ausklingen. Die Berge tauchen in den immer dunkler werdenden Himmel – Sterne glitzern – der Pool leuchtet wieder & die Luft ist warm – warm – warm. Die Mitarbeiter vom Lykia sind so rührselig, dass es mich schon fast beschämt. Die Atmosphäre ist locker & entspannt ebenso ausgelassen und lustig. 

So yogieren wir uns durch die Tage. Wo ich mich vorher noch fragte, ob das klappt bei 37-40Grad Hitze 4 Std Yoga am Tag zu machen, so lösen sich diese Bedenken in Luft auf. Wir hätten auch auf die klimatisierte (auch wunderschöne große) Yogahalle zurückgreifen können, doch zieht es uns schon fast magisch auf diese „Naturterrasse“.

Natürlich werden die gefühlten 20 Liegestütze (Chaturanga) während der Sonnengrüße manchmal zur Herausforderung, jedoch versuche ich die Mädels zu locken mit dem Satz: „Macht euch keine Sorgen – nach unten geht’s immer“

Da dieses Retreat auch Yogaphilosphie beinhaltet, verbrezeln wir uns also nicht nur stundenlang körperlich, sondern ich biete kleine Mentalaufgaben & Reflektionsphasen, um Yoga VON der Matte, NEBEN die Matte in den Alltag zu transportieren. Was mich persönlich sehr anrührt, ist die Beobachtung, wie fein die Gruppe miteinander umgeht. Obwohl in den unterschiedlichsten Gruppierungen angereist (zu zweit, allein, zu sechst) ergeben sich täglich wechselnde Konstellationen, in denen letztendlich irgendwie Jeder mit Jedem zu tun hat. Dennoch fühlt sich Jeder gleichzeitig frei, sich auch „raus zu tun“ wenn ihm danach ist. Dürfte ich nur ein Wort wählen, welches die Ausstrahlung der Gruppe wiedergibt, würde ich „Harmonie“ wählen.

Aber nicht nur die Harmonie innerhalb dieser Gruppe ist spürbar. Es gibt auch einen offenen Kontakt zu „der anderen Gruppe“ die noch vor Ort mit Nina das „Hausprogramm – Aktive Auszeit“ genießt. Einmal ergibt es sich, dass Nina & ich gemeinsam in der großen Yogahalle die Chakra Meditation durchführen. Oder aber, als einige „unserer“ Gruppe gerne mit zur Feuerzeremonie wollen (die mit Ninas Truppe stattfindet),ist auch das kein Thema. Ebenso „schnuppern“ einige Teilnehmer vom „Hausprogramm“ nach Absprache in unserer Gruppe.

Manchmal sind wir zu „faul“ um an den Strand zu fahren, dann verbleiben wir einfach am Pool im Lykia. Wir nehmen uns die Katzen zum Vorbild, um uns das Chillen abzugucken. So schlendern sie gemütlich mit wiegendem Popo zum Trinknapf, um nach der Erfrischung direkt auf der Stelle in tiefster Shavasana zu versinken. Eine Katze entdecken  wir im Kamin (lebend wohlbemerkt), die andere liebt die Tastatur des PC´s an der Rezeption. Oft suchen die Fellknäul auch unsere Nähe wenn wir am Yogaplatz sind, um während der Halbschlafphasen hinter die Yogamatten zu rutschen & dort weiter zu  „meditieren“, mal in Rückenlage, mal im Twist -  Yogi Katzen halt. 

Hermes dagegen, ist da eher der Warrior Typ. Wie im Krieger II hält er fast hypnotisch sein Ziel (irgendetwas Zerkautes) fest im Focus & lässt er sich durch nichts und niemanden beirren. Ganz gleich, ob er dafür den Pool durchqueren muss oder aufgrund durch  zu viel Beschleunigung den Rest des Weges auf dem Hosenboden weiterrutscht.

Aufgrund der Wetterverhältnisse verlegen wir einen Teil unseres Tagesablaufes IN den Pool. Entweder bauen wir uns aus den Noodles eine Art Floss und lassen uns floaten oder wir sitzen samt Tee & Buch auf den ersten Treppen des Pools & freuen uns, wenn Hermes unsere Bücher nicht in durchtränkte Lappen verwandelt.

Andere wiederum lassen sich von Sue mit einer Massagen verwöhnen, von der sie mit seltsam verklärtem Blick zurückkommen oder man lässt sich vom Haustechniker eine Gesichtsbehandlung verpassen (Achtung: der zweite Teil des Satzes ist ein Insider) 

Donnerstags ist unsere Bootstour & unser Pic up befördert uns an die Anlegestelle, wo wir von Kaptän Ender, dem glücklichen Besitzer des Bootes, welches einem kleinen Piratenboot ähnelt, an Bord gebeten werden. Zur Bemannung eines Piratenbootes gehört natürlich auch eine Piratencrew, zu der original Captain Sparrow gehört. Jedoch ist er diesmal nicht in Funktion des Schiffführers, sondern unser Koch. Genau genommen kümmern sich 2 männliche Wesen um unser leibliches Wohl, der Sohn vom Kapitän ist auch dabei. Und das finde ich wirklich bemerkenswert, da (und jetzt mach ich mal eine Schublade auf) in der Türkei, nach meinen Erfahrungen, normalerweise die Frauen die Männer bewirten. 

Nicht so auf dem Boot von Kapitän Ender. So stechen wir in See, im Gepäck 11 kichernde Shaktis, den Köchen, Co- Steuermann(frau) & Späherin Sue, ihren beiden Neffen & am Ruder der Kapitän selbst. Schnell verstummt unser Gekicher, zu sehr sind wir mit „GUCKEN“ beschäftigt. Türkises Wasser & die vielfältigsten Felsformationen der Berge um uns herum & Steinstrukturen, die Geschichten zu erzählen scheinen. Glücklicherweise ist „Seekrankheit“ gar kein Thema bei uns – es ist NUR chillig bis atemberaubend.

Wir machen an einer kleinen Grotte halt, wo Sue vorschnorchelt, da in dieser Grotte Tage zuvor eine Seelöwenmama plus Babys gesichtet wurde. In diesem Falle dürfen wir natürlich nicht hinein. Während Sue in späherischer Mission, hüpfen die Mädels kopfüber direkt vom Boot ins kühle Nass & schnorcheln durch die Gegend. Naja – ich bin nicht gerade DAS, was man eine Wasserratte nennt, habe Angst vor dem offenen Meer & habe es auch nicht gerne kalt! So beobachte ich zunächst neidisch das ausgelassene & quirlige Drumherum. Da dieses Boot aber auch eine kleine Leiter besitzt, wage ich mich auf dieser todesmutig mit dem dicken Zeh führend herab, um festzustellen, dass auch hier das Wasser himmlisch warm ist. UND, es ist SO klar, dass man bis auf den Grund schauen kann. Also gleite ich in die Badewanne. Sue kommt zurück & gibt grünes Licht, dass wir in die Grotte können. Plötzlich finde ich mich in dieser wieder. Es wird andächtig still, als mir in dieser Stille plötzlich bewusst wird: „Momentmal Asti, du müsstest dir doch eigentlich vor Angst in die Hosen machen“ und für einen Augenblick bin ich versucht, auf der Stelle wieder umzudrehen. Aber irgendwie ist die Magie des Ortes größer. Sue beleuchtet mit ihrer Taschenlampe die faszinierenden Höhlendecken. Von unten strahlen Farben, als wenn jemand dort extra für die „Touris“ verschiedene Spots angebracht hätte. WOW – was für ein Erlebnis. Als wir zum Boot zurückkehren, hängt unser Kapitano im Wasser am Bug & säuberte sein „Baby“.  Während unsere Truppe sich wieder dem Schnorcheln widmet, sagt eine Stimme in mir plötzlich: “Asti,  du animierst deine Teilnehmer doch ständig, die berühmte Komfortzone zu verlassen. Jetzt verlasse du sie doch auch mal.“ Also steh ich auf & mache meinen ersten Köpper von einem Schiff. Für die meisten von euch mag das keine große Herausforderung darstellen – für mich schon. Und das Ergebnis: Ich komme lebend wieder hoch & das auch ziemlich schnell, da der der hohe Salzgehalt im Meer ein Untergehen fast unmöglich macht.

Sue sammelt ihre Schääfchen wieder ein & weiter geht es zur nächsten Bucht, wo eine weitere Attraktion auf uns wartet – verjüngender Schlamm. Kapitän Ender schwimmt an Land und rührt aus Sand & Wasser eine Pampe an, die angeblich verjüngend, gegen Cellulitis (für Insider: Cellulose) sein, eine seidige Haut machen und generell ein Schönheitselexier sein soll. Also fackeln wir nicht lange & machen von Kopf bis Fuß eine Ganzkörperpackung, inkl der Haare, Augenbrauen – ich hatte es sogar am Zahnfleisch. Wir amüsieren uns natürlich beim Anblick der anderen kräftig – ich finde wir sehen aus wie Amazonen. Jedoch vergeht uns nach kurzer Zeit das Lachen zwangsläufig, denn die Paste wird so hart, was das Bewegen der Gesichtsmuskeln unmöglich macht. Ob man sich so fühlt, wenn man mit Botox vollgepumpt ist?

Egal – dagegen hilft nur abwaschen. Und tatsächlich – die Haut fühlt sich wunderbar weich an & die Haare auch, wie sich später herausstellt.

Soviel Spielerei macht natürlich hungrig. Während  ultraschnelle tacktsichere Hackgeräusche fliegende Messer vermuten lassen & der unserer Bootsküche entstammende Duft uns noch hungriger werden lässt, singen wir zwar keine Seemannslieder, aber ich bringe den Mädels  „Om namah Shivaya Gurave“ bei.

Unter Deck schiebt „Sparrow“ die Tischplattenkonstellation in nullkommanichts so zusammen, dass sie zu einem gemeinsamen Mahl einlädt.  Es gibt gebratenen Fisch, Spaghetti (vegetarisch) & viiiieeel frischen Salat. 

Danach legt Kapitän Ender  ab & wir uns mit vollen Bäuchen aufs Ohr, bzw an Deck. Lieber Gott – es gibt so Tage, von denen wünscht man sich, dass sie nie enden. Dieser ist einer davon. Ich versuche, diese ganzen Naturschauspiele in mein Hirn & Herz zu meißeln (mein Ex Freund Schorni gebraucht dann immer das Wort „konservieren“).

An der nächsten Küste gibt’s Kuchen & köstlichstes Obst. „Sparrow“ steht Tee eingießend  vor unserem Tisch & wir müssen uns wirklich zusammenreißen, um nicht loszuprusten, da er mit seiner Körperhaltung, dem nackten Oberkörper, inklusive der gefühlten 20 Ketten (mit Haifischzähnen) um den Hals eher an einen Piraten erinnert, als an einen seriösen Koch. Die Situation ist außerdem sehr amüsant, – sieht er doch tatsächlich aus wie der kleine Bruder von Jonny Depp. So geht ein wunderwunderschöner Tag zu Ende. Den allerherzlichsten Dank von unserer Seite nochmal an Alle, die uns diesen bezaubernden Tag ermöglicht haben.

Doch wartet schon ein nächstes Highlight auf uns – Sonnenaufgangsyoga am Strand.

Wir müssen uns zwar hierfür schon um 05h aus den Federn begeben, da der Shuttle um 05:30h abfährt, doch was so ein richtiger Yogi ist….-J

Peinlichst genau getimed sitzen wir um 05:50h am menschenleeren Strand, stimmen uns meditativ ein & starten exakt zum Sonnenaufgang mit dem Sonnengruß, der hier noch einmal eine völlig andere Bedeutung erhält. Ein knallroter fetter Ball taucht aus dem Meer auf und wandert in Zeitlupe orange werdend westlich. Obwohl die Sonne unzählige Male vor dem 16. August 2013 aufgegangen ist & so es auch unzählige Male danach geschehen wird, ist es doch stets auf´s Neue atemberaubend. Besonders dann, wenn man diesen Augenblick so bewusst erleben darf.  Für Esther ist es ein GANZ besonderer Morgen, denn es ist Esther´s Geburtstag. Sie fragt: “Kann man einen Geburtstag schönen beginnen?“  Es gibt etwas, das ich das „genetische Erbe“ nenne. Dazu definiere ich alles, was uns aus der Entstehungsgeschichte heraus in unsere Existent gegeben ist. Ich glaube an „Naturgesetze“ & bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir gut daran tun, diese Naturgesetze zu achten & unterstützen. Dazu gehört, sich in der Natur aufzuhalten & weiter glaube ich, dass wir deshalb auch nicht genug von ihr kriegen können, inkl 20 Millionen Sonnenaufgänge, inkl barfuß im Sand zu stapfen, inklusive in die Weite gucken zu dürfen, inkl den Wind auf der Haut und die Wärme & Kraft der Sonne zu spüren. Wenn wir all das Aufsuchen, geben wir uns leichter die Chance „bei uns anzukommen“. Ist nichts Neues – ich weiß, wollte es nur nochmal betont haben :-) Und so bestaunen wir einen weiteren Tag das Glitzern in der Bucht von Adrasan.

Von Abschiedsstimmung berührt sitzen wir ein letztes Mal in dieser Konstellation auf unserer Open Air Yoga Terrasse & ich gebe die Karteikarten wieder zurück.

Melanie hat ihr Initialzündung erhalten & schleppt nun auch Bettina regelmäßig mit zum Yoga. Auch hat sie wieder einen Schlaf Rhythmus. Ingrid hat ihre neue „Mitte“ entdeckt & abgespeichert. Carsta hat eine konsequente Timeout Zeit nur für sich genommen. Daniella blühte vollkommen auf, Pia ist komplett begeistert. Anne hat null Schmerzen in Fuß & Rücken & Tatjana will nicht mehr ohne. Ob ich nun allen gerecht werden konnte, das weiß ich nicht. Aber auffällig ist, wie schön sie Alle aussehen – wie mit einem Glätteisen behandelt. Ich wünsche mir, dass sie etwas von diesem Retreat mit nach Hause nehmen, worauf Tatjana entgegnet, sie habe eine Art „kleiner Mann“ im Ohr und höre mich immer Chaturanga sagen. (Wobei sie zugibt, dass sie zunächst nicht wusste,, was das bedeute & glaubte, es sei etwas tanzähnliches. Für sie höre es sich an wie Cucaracha (smile)).

Esther (die ja auch bei uns in Aachen im ajstudio Mitglied ist) erzählt, dass sie kürzlich im Alltagsgeschehen in einer Situation war, wo sie eigentlich gerne aus der Haut gefahren wäre, als sie plötzlich meine Stimme sagen hört: „Macht euch jetzt bereit für Shavasana“.

Abends wartet auf uns das Abschiedsdinner mit Galatouch. Viele Gäste sind ganz in Weiß gekleidet. Wir sind vom „Alleinunterhalter“ entzückt  – ein 65 jähriger Mann, der uns am Pool mit E Piano & Halbplaybacks das gesammelte Repertoir der 70ger & 80ger zu Besten gibt. Wir können jetzt alle ABBA Choreografien glaube ich.

Es ist mittlerweile dunkel & Fast-Vollmond, als ich mich auf Ninas Zeichen hin ans Mikro schleiche & mit verrauchter Stimme  „Happy Birthday“ in der Marilyn Variante singe, während Nina mit einer mit zig brennenden Kerzen bestückten Geburtstagstorte für Esther die Poolfläche betritt. Stilecht schneidet Schwester Esther (für Insider „die schicke Vara“) diese an & danach springen wir plötzlich in Galaklamotten in den Pool. Das Szenario entwickelt sich dahin, dass  ALLES im Pool landet, inkl Kellner, Tabletts, Weingläser inkl Wein – nur der Alleinunterhalter & seine „Musikmaschine“ bleiben verschont. Wir tun das, was wir schon die ganze Woche getan haben – wir lümmeln uns im Wasser & verlegen die Party ganz einfach komplett dort hinein. 

Als wir am nächsten Morgen im Transfer zum Flughafen sind und ich bei Terminal 1 austeigen will, stolpere ich über einen Koffer & lande fast mit der Nase im Gang des Busses, da höre ich eine schadenfrohe Stimme von hinten: „Mach dir keine Sorgen Asti – nach unten geht’s immer“.


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